Prof. Dr. Regina Back, geboren in Erbach im Odenwald, studierte Musikwissenschaft und Romanistik an der Philipps-Universität Marburg und – als Stipendiatin der Französischen Regierung – an der Université Paris IV-Sorbonne.
Es schlossen sich Tätigkeiten an beim Bayerischen Rundfunk in München (1996-1999), bei der Felix Mendelssohn Bartholdy-Briefausgabe an der Universität Leipzig (2000-2007) und beim Forschungsportal zu Musikvermittlung und Genderforschung „MUGI“ an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (2008-2014). Regina Back promovierte über Felix Mendelssohn Bartholdys Briefwechsel mit Carl Klingemann („Freund meiner MusikSeele“, Kassel, Bärenreiter, 2014).
Regina Back nahm kontinuierlich Lehraufträge an Universitäten und Musikhochschulen wahr, gab Bücher und Noten heraus, hielt Vorträge, moderierte Konzerte und Podiumsgespräche und schrieb zahlreiche Programmheftbeiträge für Symphonieorchester und Musikfestivals in München, Salzburg und Berlin sowie Rundfunksendungen für den Bayerischen und Norddeutschen Rundfunk.
Seit 2014 ist Regina Back für die Claussen-Simon-Stiftung in Hamburg tätig, seit 2015 als Geschäftsführerin und seit 2017 als Geschäftsführender Vorstand. Sie wurde 2016 in das Kuratorium der Bucerius Law School in Hamburg berufen. Seit 2021 ist sie Mitglied im Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper. Dem Beirat des Bundesverbands Deutscher Stiftungen gehört sie seit 2021 als Mitglied an und ist seit 2023 dessen Co-Vorsitzende. Seit 2026 ist sie Vorstandsmitglied der Rotary-Stiftung Hamburg.
Am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg unterrichtet Regina Back seit 2018 und hat eine Professur für Stiftungsmanagement inne nach §17 HmgHG.
Seit 2024 fördern das Heinrich-Heine-Haus und die Claussen-Simon-Stiftung die Internationalisierung aufstrebender Künstler*innen im Rahmen eines Residenz- und Ausstellungsprogramms.
Telefonieren 1992 in der Maison Heinrich Heine
Als ich im September 1992 das Chambre 104 in der Maison Heinrich Heine bezog, gab es in allen Zimmern Telefonapparate, die Gespräche innerhalb des Hauses ermöglichten. (Die Zeit der Handys war noch lange nicht gekommen.) Zudem gab es auf jeder Etage im Treppenhaus eine kleine offene Telefonbox an der Wand, von wo aus Gespräche nach außen und ins Ausland getätigt werden konnten.
Den Telefonapparat im ersten Stock sah man schon vom Foyer aus, er hing direkt an der Wand, auf die die Treppe links von der Conciergerie zuläuft. Erhielt man einen Anruf von extern, wurde man vom Concierge im Zimmer angerufen und ging dann auf den Treppenhausflur, um das Gespräch dort entgegenzunehmen. Wenn man selbst nach außen telefonieren wollte, konnte man das ebenfalls über diesen Apparat im Treppenhaus tun. Da natürlich häufig Leute das Treppenhaus passierten, hielt man sich an das Wesentliche und sprach leise, lange Unterhaltungen wurden das nicht. Jedes Telefonat kostete im Minutentakt mehrere Francs, jede Telefonminute war also äußerst kostbar. Gespräche mit den Eltern oder dem Freund in Deutschland waren deshalb ein seltenes und wertvolles Gut.
Im Laufe des Studienjahrs 1992/93 gab es dann aber eine technische Neuerung: Jedes Zimmer erhielt einen Telefonapparat, der mit dem internationalen Netz verbunden war. Das änderte zwar an den Kosten nichts, schuf aber mehr Privatsphäre für Telefonate nach Hause und mit Freunden. Bis heute sehe ich mich aber noch im Treppenhaus stehen und erinnere mich an bestimmte Telefonate, die ich an dieser Stelle geführt habe, und an Nachrichten, die ich an diesem Ort erhalten habe.
Der folgende Beitrag entstand im Rahmen des 100-jährigen Jubikäums der CIUP und ist in folgendem Band erschienen: Les 101 mots de la Cité internationale universitaire de Paris à l’usage de tous, Archibooks + Sautereau Editeur, Paris 2025, S. 151-153.

Rhizome
Unsere Gesellschaft ringt heute mit dem Verlust von öffentlichen Orten, an denen sich Menschen ungeachtet von Herkunft, Hintergrund oder Erfahrungshorizont begegnen können. Um dem Verlust von Zusammenhalt, Gemeinschaft und Gemeinsinn entgegenzuwirken, sind Orte wie die Cité internationale universitaire de Paris, an denen sich Rhizome entspinnen und ausbreiten können, heute wichtiger denn je.
Das Konzept des Rhizoms, wie es von Gilles Deleuze und Félix Guattari in Mille plateaux (1980) philosophisch gedeutet wurde, lässt sich als Metapher verstehen für eine nicht-hierarchisch organisierte Wissenswelt, für eine offene Gemeinschaft und auch für den Wert von absichtslos und zweckfrei entstehenden Verbindungen quer durch die Gesellschaft. Das Rhizom ist gekennzeichnet durch Verzweigungen und Verflechtungen, die nicht hierarchischen Ordnungen folgen wie in Schule, Studium oder Beruf, die nicht am gegenseitigen Nutzen orientiert sind wie berufliche und soziale Netzwerke und die nicht der Selbstvergewisserung dienen wie Social Bubbles.
Gerade in Zeiten der Vereinzelung, der Selbstoptimierung und des Auseinanderdriftens von gesellschaftlichen Gruppen in „Singularitäten“ kommt Orten wie der CIUP mehr denn je die Aufgabe zu, ausgehend von den lokalen Gegebenheiten überregional und länderübergreifend Zusammenhang herzustellen, Verbindungen zu schaffen und die Völkerverständigung zu befördern. Wenn wir Toleranz und Offenheit kultivieren wollen, dann brauchen wir einen breiten und positiv bewerteten Erfahrungsschatz im Miteinander und eine vielschichtige Verbundenheit untereinander. Für mehr Gemeinsinn und Gemeinschaft, auch auf europäischer und internationaler Ebene, braucht es gemeinsame Nenner, vor allem die Verständigung auf grundlegende, miteinander geteilte Werte, Aufgeschlossenheit für andere Kulturen und Lebenswelten, Mut zum Diskurs.
Auf ein ganzes Leben besehen machen Weichenstellungen in jungen Jahren den größtmöglichen Unterschied. Prägende Lebenserfahrungen erweisen sich oft nicht nur für die Einzelnen von besonderer Bedeutung und Wirksamkeit, sondern entfalten auf lange Sicht auch eine gesellschaftliche Relevanz. Die Bewohnerinnen und Bewohner der CIUP sind junge Menschen mit sehr verschiedenen Erfahrungen, Hintergründen und Voraussetzungen, die an diesem gemeinsamen Lebensort miteinander ins Gespräch kommen und Teil der internationalen Gemeinschaft werden. Die CIUP ist damit ein Ort, der das Werden und die Zukunft junger Menschen im Sinne einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft fördert und erheblich beeinflusst.
Es gehört seit jeher zu den höchsten und ehrenwertesten Privilegien, den Boden zu bereiten für „sérendipité“ im Sozialen, also Orte und Räume zu schaffen, wo jener glückliche Zufall zum Ereignis werden kann, wo sich zwanglos Begegnungen ergeben und Ideen entstehen, wo ein Rahmen geschaffen wird, damit Verbundenheit wachsen kann. Zahllose Freundschaften, Verbindungen und Kooperationen haben seit nunmehr 100 Jahren ihren Ausgang in der CIUP genommen und sich über Studienfächer, Jahrgänge, Wohnheime, Hochschulen, Länder und Jahrzehnte hinweg rhizomartig entsponnen. Solche Verbindungen bilden die Grundlage, auf der Erkenntnis und inneres Wachstum, Gemeinsinn und Mitmenschlichkeit, Völkerverständigung und Frieden gedeihen. Junge Menschen, die durch das solcherart neu Gelernte und Erfahrene ihren Horizont erweitert haben, die ihre Haltung zur Welt reflektieren und konkretisieren konnten, die sich selbst als Teil einer offenen, diversen und toleranten Gemeinschaft erleben konnten und diese Erfahrungen mitnehmen auf ihren Lebensweg – diese Menschen werden immer bereit dafür sein, selbst Verantwortung zu übernehmen und eine offene Gesellschaft mitzugestalten.