Dr. Hans-Dieter Lucas gehörte bis zum Sommer 2025 dem deutschen Auswärtigen Dienst an. Er studierte Politische Wissenschaften, Geschichte, Rechtswissenschaft und Katholische Theologie an der Universität Bonn sowie am Institut Études Politiques de Paris und der Sorbonne. Er promovierte mit einer Dissertation über die Europapolitik de Gaulles (L’Europe de l’Atlantique à l’Oural?, Bouvier 1992). Als Politischer Direktor des Auswärtigen Amts war er unter anderem deutscher Verhandlungsführer in den Verhandlungen über das Nuklear-Abkommen mit dem Iran (JCPoA). Er war deutscher Botschafter im Sicherheitspolitischen Komitee der EU (PSK), bei der NATO, in Paris und in Rom.
Manchmal im Leben schließt sich ein Kreis. So ging es mir mit dem Heinrich Heine Haus.
Ich wohnte dort als Stipendiat des DAAD 1981/82, studierte an Sciences-Pô und der Sorbonne. Von Anfang an habe ich die inspirierende, weltoffen-internationale Atmosphäre dieses Hauses sehr genossen. Schon damals gab es ein spannendes Kulturprogramm – ich erinnere Abende etwa mit Alexander Mitscherlich oder Alfred Grosser. In der Küche auf dem zweiten Stock würde nächtelang diskutiert – es war eine politisch enorm aufregende Zeit: NATO-Nachrüstungsdebatte, Verhängung des Kriegsrechts in Polen, Anfangsphase der Präsidentschaft Mitterrands. Das hat uns damals freilich nicht davon abgehalten, freitags ziemlich intensiv in der Keller-Bar des Heinrich Heine Hauses zu feiern („Paris est une fête“).
Diese kurze Zeit für mein späteres Leben Weichen gestellt. In Paris entstand der Wunsch, später im internationalen Bereich zu arbeiten. Mindestens ebenso so wichtig: meine spätere Frau und ich begegneten uns zum ersten Mal im Heinrich Heine Haus. Auch sie studierte in jenem Jahr in Paris und war Residentin in diesem Haus. Schließlich entstand im Heinrich Heine Haus ein Freundeskreis, der sich noch heute – also nach nunmehr 45 Jahren – jedes Jahr wieder trifft.
Damals hätte ich mir nicht träumen lassen, knapp 40 Jahre später wieder mit dem Heinrich Heine Haus in Verbindung zu treten – nunmehr als deutscher Botschafter in Paris und damit auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Fondation d´Allemagne. So schloss sich nach fast 4 Jahrzehnten ein Kreis. Es war eine schöne Geste, als in der ersten von mir geleiteten Sitzung des Verwaltungsrates mir die damalige Direktorin, Christiane Deussen, eine Kopie meiner damaligen Akte überreichte – einschließlich meines Bewerbungsschreibens und eines Fotos von einem sehr jungen Studenten, dem ich heute – leider – nicht mehr sehr ähnlich sehe.
Meine Geschichte mit dem Heinrich Heine Haus ist also eine sehr besondere. Ich fühle mich diesem Ort persönlich weiter verbunden – ganz abgesehen davon, dass ich als Botschafter immer wieder beeindruckt war von der Rolle des Hauses im größeren politischen und kulturellen Kontext des „franco-allemand“. Ich bin sicher, dass es manch andere vergleichbare Geschichte gibt aus der siebzigjährigen Geschichte dieses Hauses. Es war immer ein Ort, der junge Menschen mit sehr unterschiedlichen Biographien, Begabungen und Ambitionen zusammenführte, ein Ort auch, in dem ein Geist von Toleranz und Weltoffenheit herrscht. Das soll auch in Zukunft so bleiben., denn diesen Geist brauchen wir heute mehr denn je. Deshalb ist der 70. Geburtstag ein schöner Anlass, der Maison Heinrich Heine und allen, die in und für diesen besonderen Ort arbeiten, von Herzen alles Gute zu wünschen.