Prof. Dr. Thomas Cleff, Resident der Maison Heinrich Heine 1989/90 und 1992/93
Thomas Cleff ist seit dem Jahr 2000 Professor für Quantitative Methoden der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim. Sein Studium der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre führte ihn unter anderem an die Université Panthéon-Sorbonne in Paris. Seit 2014 ist er Dekan der Business School Pforzheim. Über seine Tätigkeit in Forschung und Lehre hinaus engagiert er sich seit vielen Jahren in besonderer Weise für die internationale Weiterentwicklung von Hochschulen. Als ausgewiesener Experte für internationale Akkreditierung und Hochschulkooperationen gehörte er dem Vorstand des Network of International Business and Economics Schools (NIBES) an. Zudem ist er seit langem in Gremien internationaler Akkreditierungsorganisationen wie AACSB und EFMD tätig. Seine internationale Erfahrung bringt er darüber hinaus in verschiedene Beiräte von Universitäten ein, unter anderem in Dubai, Taipeh, Warschau, Brest, Paris, Clermont, Maribor und Montpellier.
Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Cité hat Thomas Cleff gemeinsam mit seiner Ehefrau, Annette Rudolph-Cleff, der Zeitung Le Monde über seine Erfahrungen in der MHH berichtet.
Erinnerung
Mit dem Heinrich-Heine-Haus und der Cité Internationale Universitaire de Paris verbinde ich eine Lebenszeit, die mich nachhaltig geprägt hat. Während meiner Aufenthalte in den Jahren 1989/90 und 1992/93 habe ich das Heinrich-Heine-Haus als einen Ort erlebt, dessen Bedeutung weit über die eines Studierendenwohnheims hinausreicht. Für mich war es ein einzigartiger Raum der Begegnung, der Offenheit und der geistigen Neugier. Ein Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichsten Ländern nicht nur Tür an Tür wohnen, sondern miteinander leben, diskutieren und voneinander lernen. Gerade darin liegt für mich bis heute die besondere „Schönheit“ dieses Ortes: Sie ist Ausdruck einer großen und zugleich zutiefst verbindenden Idee. Die Vorstellung, durch gemeinsames Leben und Lernen Verständigung, Respekt und Frieden zu fördern, wird dort auf ganz unmittelbare Weise Wirklichkeit. Dieser besondere Geist war im Alltag überall spürbar: in Gesprächen, in Freundschaften, in der Selbstverständlichkeit, mit der kulturelle Unterschiede nicht trennen, sondern bereichern. Die Cité war für mich deshalb nicht nur ein internationaler Campus, sondern ein gelebtes Modell für Weltoffenheit und internationale Verständigung.
Besonders eindrücklich bleibt für mich der Herbst 1989 in Erinnerung. In Paris erlebte ich den Fall der Berliner Mauer aus einer Perspektive, die von Nähe und Distanz zugleich geprägt war. Einerseits war ich fern der Ereignisse in Deutschland, andererseits standen die Gespräche im Heinrich-Heine-Haus ganz im Zeichen dieses historischen Umbruchs.
Mit dem Heinrich-Heine-Haus verbinde ich auch ganz persönliche Erinnerungen, denn dort habe ich meine spätere Frau kennengelernt. Zugleich sind aus jener Zeit Freundschaften geblieben, die bis heute tragen und auf schöne Weise zeigen, wie nachhaltig die Verbindungen sind, die an diesem Ort entstehen können. Das Heinrich-Heine-Haus steht für mich deshalb für weit mehr als meine Studienzeit in Paris: Es ist ein Ort, an dem mein Blick auf die Welt, auf kulturelle Identität und auf internationale Freundschaft entscheidend geprägt wurde.