Uta Ackermann hat in Leipzig, Leningrad und Paris studiert und lebt heute in Berlin. Neben Lyrik, Prosa, Übersetzungen aus dem Russischen und Französischen veröffentlichte sie Hörspiele und Features. Für ihre Arbeit erhielt sie mehrere Stipendien.
Uta Ackermann ist 2016 mit dem poetischen Ausstellungsprojekt 10 façons d’oublier an die Maison Heinrich Heine zurückgekehrt.
Auf den Spuren des Dichters René Char kam ich ins Maison Heinrich Heine und ging mit einer nur fast fertigen Dissertation, doch vielen anderen Spuren.
Chars Gedicht „Paris sans issue“ lotste mich am ersten Tag zur Rue de Sèvres, als noch längst keine Place René Char ein paar Ecken weiter gab:
„Je la nomme
Liseuse aux douze pavots blancs“
So las ich mich in der Bibliothek, wenn ich versuchte, mich meiner Recherche hinzugeben und versucht war, den Geheimnissen des verlassenen Maison de Cambodge nachzusinnen oder der Idee einer Taube, die gegen das Fenster flog oder Einladungen meiner Lesenachbarn zu einem Kaffee in der wunderbaren Cafétéria im Souterrain anzunehmen.
„En feuilletant son livre absent,
Elle demeure, je la perds“
Verloren habe ich mich, an die Stadt vor den Fenstern der Bibliothek, so, dass ich sie während meines Aufenthalts nicht einmal verlassen habe, nicht mal nach Versailles bin ich gekommen, erst später mit meinen Töchtern. Immerhin war ich in Paris und wurde zur Flaneurin auf den Spuren vieler Dichter und Maler, die ich im Herzen hatte oder in der Bibliothek und bei Lesungen im Maison entdeckt. So landete ich auch in einem Seminar an der Uni Paris XIII und folgte den Spuren des deutschen Exils in Paris.
Im Chor der Cité fand ich Freundinnen und nach ein paar Proben auch den Mut, als wir den 42. Psalm von Mendelssohn probten, auf den aus der Schweiz stammenden Chorleiter zuzugehen und über die Aussprache zu reden.
Und wann immer ich einen Trompetenbaum sehe, denke ich an die Trompetenbäume am Eingang zur Cité, an meinen Weg zum Maison Heinrich Heine, an den Grundton des Périphérique unter meinem Fenster, an Begegnungen, die mich bis heute begleiten.